Die Musik ist der kleinste gemeinsame Nenner der Schwarzen Szene. Sie bietet den Einstieg und trägt alle Sub-Szenen, die sich im Laufe der Jahrzehnte im schwarzen Miteinander gebildet haben. Eine einzige Musikrichtung gibt dabei nicht. Die Gemeinsamkeit liegt in der Bedeutung der Musik. Sie wird nicht als Freizeitspaß oder Untermalung wahrgenommen, sondern als wichtiges Ventil, um Gedanken und Emotionen auszudrücken. Die Songtexte spielen oft eine große Rolle. Sie thematisieren auch dunkle Gefühle, transportieren Gesellschaftskritik oder bieten Raum für die Flucht aus der Realität.
Den Beginn dazu machte der Post Punk, der sich aus dem Punk entwickelte. Er brach nicht nur musikalisch mit traditionellen Musikrichtungen. Auch die Emotionen, die transportiert wurden, unterschieden sich von der heilen Welt der Unterhaltungsmusik. Die Punks hatten zwar schon die Harmonie durchbrochen, doch im Post Punk gesellten sich Melancholie, Angst und Kälte zur Wut.
Daraus entstanden ganz unterschiedliche Musikrichtungen, die bis heute immer weiter ergänzt werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass es für eine Entwicklung im Laufe der Entstehung noch keinen Namen gibt. Die Einordnungen erfolgen nachträglich und sind deshalb oft nicht sehr genau. Selbst die involvierten Bands sind nicht immer einverstanden mit der Kategorisierung. Gothic-Ikone Robert Smith von The Cure hat zum Beispiel in einem Interview verkündet, dass er sich und seine Band niemals zur Gothic Szene gezählt hat. Musikjournalisten und Fans sind anderer Meinung. Man kann es nicht allen recht machen. Ein paar Eckpunkte für die Musikgenres der Schwarzen Szene gibt es aber. Hier sind einige davon.
Post Punk
Siouxsie and the Banshees haben den Post-Punk Anfang der 80er Jahre geprägt. Sängerin Siouxsie Sioux konnte für ihre Band niemand geringeren als Robert Smith gewinnen, der später mit seiner Band The Cure maßgeblich für die Entwicklung der Schwarzen Szene verantwortlich war. Sein Makeup, seine Frisur und sein Kleidungsstil wurden von den Wavern und Gruftis der damaligen Zeit kopiert und individualisiert. Mitstreiter im Post-Punk waren außerdem Bands wie Gang of Four, Joy Division oder Talking Heads. Die Musiker griffen Punk-Elemente auf, wollten aber mehr Inhalte und gaben der Musikrichtung deshalb mit anderen Instrumenten, Akkorden und Texten eine neue Richtung. Punk wollte zerstören, Post-Punk wollte kritisieren, provozieren und die eigene Zukunft gestalten – gerne auch durch die Thematisierung von Missständen.
Wie immer im Bereich der Musik, sind sich die Gelehrten nicht ganz einig, was alles zum Post Punk gehört. Viele rechnen auch den New Wave, der poppig klang, zum Post-Punk. Vielleicht kann man den Post-Punk einfach als eine Art Musikrichtung ohne Diktat betrachten. Die Bands probierten alles Mögliche aus, veröffentlichten bei kleinen und unabhängigen Plattenalben und eroberten aus dem Underground die Welt.
Gothic Rock
Der Gothic Rock hat die Schwarze Szene in den 80er Jahren zusammen mit dem New Wave beherrscht. Bands wie The Cure, Bauhaus oder auch The Sisters of Mercy bildeten sich aus oder auf Basis der Post-Punk-Szene. Sogar die damals noch kärglich sprießenden Musiksendungen im Radio und im Fernsehen zeigten Videos dieser Bands. Eine Vorlage für die Gothic Szene, die in den 80er Jahren zusammenfand und ihre dunklen Helden feierte. Selbst die Bezeichnung „Gothic“ stammte im übertragenen Sinn aus dem Post-Punk, denn der Bassist von Siouxsie and the Banshees gab einem Album der Band diese Bezeichnung. Da der Begriff öfter erwähnt wurde, übernahm man ihn schließlich. Die neue Gothic Szene war jedoch überschaubar und so sah man die Musiker bandübergreifend spielen. Dabei produzierte man mal Post-Punk, mal Gothic Rock und experimentierte auf vielerlei Ebenen. Typische Songs des Gothic Rock sind zum Beispiel Bela Lugosi’s Dead von Bauhaus, Alice von Sisters of Mercy oder Spellbound von Siouxsie and the Banshees. Weitere Bands des Gothic Rock sind zum Beispiel Fields oft he Nephilim, The Mission, The Cult oder Rosetta Stone.
New Wave
Was Post-Punk ist, was Gothic Rock und was New Wave, oder ob vielleicht alles das Gleiche ist, weiß niemand so genau. Oder zumindest streitet man sich darüber. Übersetzt man den Begriff, erhält man eine „neue musikalische Welle“, auf die man sich einigen kann. Zumindest gab es schon Ende der 70er Jahre eine Compilation, die „New Wave“ ankündigte und Bands wie die Talking Heads, die Ramones und The Damned vereinte. Fakt ist, dass New Wave den Punk ablöste und Bands verschiedener Richtungen einreihte. Die New Romantics mit Adam & the Ants oder Visage gehörten genauso dazu wie Gothic-Rock-Bands, Synthie-Pop-Bands wie Duran Duran oder Teile der EBM-Musik. In Deutschland feierten Bands wie Fehlfarben, Einstürzende Neubauten und DAF ihre Erfolge. Wer also nicht gerade Musikwissenschaftler ist, der fasst alles, was in den frühen 80er Jahren in der Schwarzen Szene gehört wurde, unter dem Begriff „New Wave“ zusammen. Die Szenegänger waren die Waver. Mit Electro Wave, Cold Wave, Dark Wave und vielen anderen Kategorien kann man die Bands musikalisch noch einmal unterteilen.
Synthie Pop
Depeche Mode, New Order, OMD, Gary Numan: Sie alle liebten ihre Synthesizer und brachten sie kräftig in ihre Songs mit ein. Es entwickelte sich eine musikalische Spielart namens Synthie Pop. Vorreiter waren Kraftwerk, die mit ihren Ideen den neuen Sound auf die Bühne brachten. Die Musik war sehr gut tanzbar, aber auch irgendwie kalt und bedrückend. Die Musik wirkte, als halte sie Distanz zum Zuhörer. Synthetische Klangwelten mit fast emotionslosen Stimmen hüllten die Fans in einen faszinierenden neuen musikalischen Sound. Elektronische Instrumente waren das Gebot der Stunde. Typische Bands des Genres waren und sind zum Beispiel die Pet Shop Boys, Visage, Ultravox oder New Order und Soft Cell. Bekannte Songs, die noch heute gespielt werden, sind etwa „Fade to Grey“ von Visage, „Are friends electric“ von der Tubeway Army „Blue Monday“ von New Order oder „Master and Servant“ von Depeche Mode. Später wurde der futuristische, kühle Sound zu romantischeren Ablegern des Synthie-Pop entwickelt.
Industrial
Industrial der 70er und 80er Jahre hat nichts mit dem zu tun, was man heute so als Industrial-Musik bezeichnet. Wer es nicht glaubt, kann sich Songs von Throbbing Gristle anhören, die damals einen Skandal nach dem anderen provozierten. Industrial war nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine neue Kunstform, bei der Zerstörung und Selbstzerstörung Hand in Hand gingen. Konzept- und Aktionskünstler traten mit den Bands oder als Bands auf. Dabei balancierten sie auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Unerträglichkeit. Sie konfrontierten das Publikum ohne Schutz mit bildlichen und musikalischen Grenzerfahrungen. Die Musik war dabei nicht melodiös, sondern erinnerte an einen aggressiven Soundangriff. Auch ansonsten ging es kriegerisch und politisch zu auf der Bühne. Autoritäten, politische Kundgebungen und militärische Darbietungen waren zu sehen. Das Grauen in all seinen Erscheinungsformen wurde ausgeschlachtet. Hier entstand übrigens die heute noch oft genutzte Leinwand-Präsentation, bei der Filme oder Nachrichten-Ausschnitte gezeigt werden. Eine sehr bekannte Band des Genres ist Laibach. Im Post-Industrial wurde die Musik tanzbarer und erträglicher.
Electro Wave
New-Wave-Bands, die vornehmlich mit Synthesizern arbeiten, fallen in die Kategorie „Electro Wave“. Eine sehr bekannte Vertreterin ist beispielsweise Anne Clark. Andere Bands mischten den Electro Wave mit EBM-Einflüssen, so dass ein harter Sound mit Melodie entstand. Bekannt hierfür sind beispielsweise Project Pitchfork. Weitere Bands aus dem Genre sind Frozen Autumn oder The Eternal Afflict. Allerdings ist auch hier wieder nicht deutlich, was Dark Wave ist, und wo die Grenzen zum Electro Wave oder zu anderen Spielarten verlaufen. Charakteristisch für den Gesang der Bands waren und sind aber eher harsche Gesangslinien mit gesellschaftskritischen Texten. Gesangsmelodien – wie beim Synthie Pop – sind seltener.
Neoklassik
Das Genre Neo-Klassik ist recht neu unter dem Schirm der schwarzen Musikrichtungen. Die Idee war, klassische Musik für eine jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Seit etwa 2010 ordnet man Musiker wie Max Richter oder auch Jóhann Jóhannson dieser Musikrichtung zu. In der Gothic Szene ist dieser Trend recht selten vertreten und wird nur von wenigen Anhängern gehört. Auf dem WGT in Leipzig finden mitunter an historischen Orten klassische Konzerte für die Fans statt, die jedoch mit der neuen Musikrichtung nur wenig gemein haben. Kritiker halten diese Musikrichtung für eine Strategie der Plattenfirmen, um für den schleppenden Absatz klassischer Alben ein Gegenmittel zu finden.
Neofolk
Neofolk ist die momentan umstrittenste Musikrichtung innerhalb der Gothic-Szene. Für die einen ist diese Musikrichtung eins der wenigen Genres mit inhaltlicher und musikalischer Rebellion, für andere ist Neofolk ein Ausdruck rechter Ideologie, mit der man nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Viele Künstler dieses Genre fühlen sich und ihre Kunst missverstanden, wenn sie ihre Musikstücke mit politischen Zitaten aus der Vergangenheit bereichern, thematische Gratwanderungen mit der NS-Vergangenheit absolvieren und sich auf der Bühne in Uniformen präsentieren. Ihnen geht es meist um Provokation, seltener lassen sich handfeste Zusammenhänge zu rechter Ideologie konstruieren. Entstanden ist Neofolk in den späten 80er in England. Die Bands Death in June und Sol Ivictus gelten als Begründer dieser Musikrichtung, die sich später zu einer eigenständigen Gruppierung entwickelte und Bands wie Allerseelen, Blood Axis, Current 93 oder Kirlian Camera hervorbrachten. Die Musik wird häufig mit akustischen Instrumenten gespielt und rückt Gitarren, Flöten, Geigen oder Trommeln in den Vordergrund, die oft mit Synthesizer-Klängen untermalt werden.
Neue Deutsche Todeskunst
Die Musik der Neuen Deutsche Todeskunst feierte Ende der 80er Jahre große Erfolge innerhalb der Schwarzen Szene. Bands wie „Das Ich“ oder auch „Goethes Erben“ mischten elektronische Musik mit Neoklassik, Gothic Rock und Wave und kreierten dazu deutsche, abstrakte, poetische Texte über allerlei morbide Themen mit teilweise historischen Bezügen. Das Label „Danse Macabre“, das von Bruno Kramm, einem Teil der Band „Das Ich“, mit gegründet wurde, sorgte ausgehend von Süddeutschland für eine weite Verbreitung der Musik.
Doch der Markt war schnell gesättigt und so kam es bereits 1994 zum Ende des Labels und damit auch der Musikrichtung. Auch die populären Bands änderten ihre musikalische Ausrichtung und verschwanden wieder von der Bildfläche. 2005 wurde zwar das Label „Danse Macabre“ wieder zum Leben erweckt, beschäftigte sich aber vornehmlich mit anderen Musikrichtungen, verhalf dem Genre aber zum einem Nischendasein. Dadurch brachte Die Neue Deutsche Todeskunst einer aufstrebenden neuen Generation von deutschsprachigen Szene-Künstlern Gehör, wie beispielsweise den „Fliehenden Stürmen“, die im Laufe der Jahre erfolgreicher wurden.
Gothic Punk
Der Begriff Gothic Punk ist erst in jüngeren Jahren entstanden und beschreibt rückblickend die frühen Phasen damaliger Gothic-Rock-Bands. Häufig verwendet man auch Begriffe wie „Positive Punk“ oder „Batcave“ für die Beschreibung dieser Musikrichtung. „The Damned“, „Siouxsie & The Banshees“ oder auch Joy Division begannen bei ihren ersten musikalischen Gehversuchen mit Punk, bevor sie sich ihren eigenen und unverwechselbaren Sound zulegten. Dennoch blieb auch in den Folgejahren bei einigen Bands die punkige Herkunft ausschlaggebendes Merkmal. „The Southern Death Cult“, die „Sex Gang Children” und auch “Alien Sex Fiend” schienen Punk und Gothic-Rock auf eine neue und raue Art zu verbinden. Zu dieser Zeit wurde vor allem der Londoner Club „Batcave“ zum musikalischen Schmelztiegel dieser Musikrichtung und brachte zahlreiche neue Bands. Mit dem Ende des „Batcave“ und dem Abebben der Punk-Bewegung verschwand auch Gothic-Punk Mitte der 80er Jahre und löst sich im Gothic-Rock auf. Um die Jahrtausendwende bekam „Gothic Punk“ neue Impulse durch Band wie „Cinema Strange“, die neben dem optischen Stil auch wieder den Punk der Wurzeln neu interpretieren. Das sogenannte „Batcave-Revival“ begann.
Horrorpunk
Horrorpunk ist eine musikalische Symbiose aus Hardcorepunk und Death Rock, der mit Rockabilly und Surf-Rock-Elementen der frühen 60er Jahre bereichert wird. Bereits 1977 begannen die „Misfits“ den Punk mit Klängen dieser Zeit zu verbinden, während die Cramps aus New York Punk-Rock und Garagenrock dazu würzten. Thematisch und vor allem äußerlich orientiert man sich an den klassischen B-Movies und dem Horrortrash, also Horror-Filmen mit völlig überzogenem Grusel-Moment. Horropunk erfreut sich auch nach 40 Jahren bester Gesundheit und wurde von Bands wie „Christian Death oder „45 Grave“ weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit verschmolz Horrorpunk aber immer mehr mit anderen Musikrichtung wie dem Horrorbilly oder dem Horror Rock, die beinahe vollständig darin aufgingen. Besonders prägend in dieser Musik ist häufig der Kontrabass, der mittels Slaptechnik eine ganz besondere Eigendynamik bekommt. Bands wie „Bloodsucking Zombies From Outer Space”, “Koffin Kats” oder auch „Kitty in a Casket” sind noch immer sehr aktiv und spielen regelmäßig Konzerte. Obwohl die Überschneidungen zur Gothic-Szene sehr deutlich zu sehen und zu hören sind, bleibt die völlige und absichtliche Überreizung der Gothic Motive dem Horrorpunk vorbehalten, der mitunter sogar in einen blutigen Slapstick abdriftet.
EBM
EBM ist die Kurzform von „Electronic Body Music“. Der Name ist Programm. Die Songs bestehen aus sich wiederholenden Sequezerläufen, hämmernden und tanzbetonten Rhythmen und - häufig durch ein Megaphon gerufenen - Textzeilen. Auf der Welle der aufstrebenden Musikrichtungen „Post-Punk“, „Industrial“ und „New Wave“ gewann EBM Anfang der 1980er Jahre immer mehr an Bedeutung und mündete 1987 sogar in einer jugendkulturellen Szene mit eigenem Stil. EBM, ist dabei stets tanzbar. Die Texte werden meist klar und sehr tief gesungen oder gesprochen, sogar geschrien oder gegrölt. In den Anfängen prägen DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) dieses Genre, bevor „Die Krupps“, „Front 242“ oder Nitzer Ebb neue Impulse setzten und das Ruder übernahmen. Inhaltlich beschränkte man sich darauf, Parolen zu skandieren. Frauen sind auf - und auch vor - der EBM-Bühne seltener anzutreffen. Zwar ist Kritik an Gesellschaft, Religion, Politik oder Technologie Bestandteil vieler Texte, allerdings nicht um eine Aussage zu machen oder einen Standpunkt zu beziehen. Mit dem Erscheinen der Techno- und Rave-Szene in den frühen 90ern wanderten auch immer mehr EBMler in das neue Lager.
Gothic Metal
Gothic Metal ist eine Verbindung zweier musikalischer Genres, dem Dark Wave und dem Metal, wobei der stilgebende Part aus der Metal-Szene stammt. In der gibt es bereits einige Unterkategorien, die eigenständig sind und eine schwarze Attitüde haben: Symphonic Metal, Dark Rock oder Dark Metal. „Paradise Lost“ oder „Tiamat“ prägten das neu geschaffene Genre „Gothic Metal“, während sich viele weitere Bands und Metal-Nischen auf die Gothic-Bühnen schlichen. „Gothic Metal“ wurde zum Sammelbegriff verschiedener Stile, wie dem Symphonic Metal, dem Dark Rock oder auch dem Mittelalter-Rock. Während man Type O Negative und HIM noch problemlos unter diesem Sammelbegriff ansiedeln konnte, tun sich Kenner mit „Nightwish“ oder auch „Epica“ deutlich schwerer. Die würden sich dem Power Metal oder dem Heavy-Metal deutlich eher anschließen können. Gothic-Metal sorgte für die Annäherung zweier Szenen, die sich nur auf den zweiten Blick unterscheiden. Während der Metaller einen energiegeladenen Bezug zur Musik hat, ist der Gothic eher ein introvertierter Zuhörer.
Neue Deutsche Härte
Die Neue Deutsche Härte entwickelte sich Mitter der 90er und wurde besonders durch die Band Oomph! geprägt, die als Begründer gilt. 1994 mischten sie eingängige elektronische Klänge mit harter Rockmusik, legten einprägsame und eingängige Texte dazu und zelebrierten die deutsche Sprache. Während sich das Genre zu Beginn nur mit Bands wie „Fleischmann“ und „Schweisser“ begnügen musste, sorgten Rammstein 1997 mit ihrem Album Sehnsucht für einen wahren Popularitätsschub. Für manche war das nur die rockige Version der Neuen Deutschen Welle, während andere die neue Liebe zur deutschen Sprache feierten. Ende der 90er begannen die Plattenfirmen massiv damit, Acts, die man der erfolgreichen Neuen Deutschen Härte zuordnen konnte, zu rekrutieren. So platzierte man In Extremo, Subway to Sally und auch Tanzwut in seinem Portfolio, um die Nachfrage nach deutschen, rockigen Liedern mit derben Texten zu befriedigen. Einen weitere Popularitätsschub durch internationale Anerkennung verschafften Rammstein dem Genre. Sie definierten die Neue Deutsche Härte. So wurden die Texte mit Rammstein kontroverser, die Aussprache deutlicher und das rollende „R“ wurde zum Markenzeichen des Gesangs.
Mittelalter-Rock
Der Mittelalter-Rock verbindet historische Instrumente mit Hard-Rock und elektronischen Klängen. Die altertümlichen Texte beschäftigen sich mit Geschichten rund ums Mittelalter. Einige wenige sind ebenfalls historischer Natur und werden im Original vorgetragen. So etwa die Merseburger Zaubersprüche von In Extremo. Dudelsack, Schalmei, Harfe, Flöte und Laute gehen eine musikalische Partnerschaft mit Schlagzeug, Keyboard, Gitarre und Bass ein. Die Bühnenperformance spielt ebenfalls mit Motiven des Mittelalters und man greift auf Fackeln, Feuer und mittelalterliche Gewänder zurück. Vertreter des Genres sind neben In Extremo zum Beispiel Subway to Sally, Rabenschrey oder Tanzwut. Gothics lassen sich zwar gerne auf den Konzerten der Mittelalter- und Mittelalter-Rock-Bands blicken, zur Schwarzen Szene gehört die Mittelalter-Szene aber nicht. Medieval Rock und auch Medieval Metal bilden eine eigene Nische und haben nichts mit den musikalischen Ursprüngen der Gothics zu tun.
Gothic Pop
Die Gothic Szene wurde - wie nahezu jede Subkultur - irgendwann für die Musikindustrie und die Mode zur guten Einnahmequelle und umgekehrt. Die Bands der Szene streckten ihre Fühler über den schwarzen Rand hinaus und bekamen Zuspruch. Der Mainstream hielt Einzug in die schwarze Musikwelt. Mit ihm entstanden auch gefälligere Songs, die nach dunklem Pop oder sogar nach deutschsprachigem Schlager klangen. Paradebeispiel dafür war der Graf mit seiner Band Unheilig. Auch Blutengel, In Extremo oder Faun sind innerhalb der Szene immer wieder starker Kritik ausgesetzt, ihre Musik für den Kommerz zu verändern und flache Songs für die Massen anzubieten. Selbst eingefleischte Szenebands wie Oomph! wagten den Schritt in den Mainstream und nahmen sogar am Bundesvision Song Contest teil. Bei der Echo Pop-Verleihung wurden sie jedoch aufgrund ihres Songtextes ausgeschlossen.